Der Lantz’sche Park: Ein Kleinod im Dornröschenschlaf

Online-Beiträge zur Geschichte und Archäologie 1 (2016)

Dieser Park ist ein wahres Kleinod unter den Düsseldorfer Grünanlagen und dennoch fast unbekannt. Versteckt zwischen der Autobahn 44, dem großen Messeparkplatz und inmitten der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens liegt der Lantz’sche Park, eine 14,5 Hektar große historische Gartenanlage im Stadtteil Lohausen. Es ist ein wundersamer Ort, der einen etwas morbiden Charme versprüht. Namensgeber ist der Industrielle und Kaufmann Heinrich Balthasar Lantz (1762-1828), der den ehemaligen Rittersitz Lohausen im Jahr 1804 von Ferdinand Freiherr von Calcum erwarb. Lantz, der durch Handel in den Kolonien reich geworden war, ließ ab 1805 das große Herrenhaus der Familie auf den Fundamenten einer alten Wasserburg errichten. Die Nachfahren bewohnten die Anlage in fünf Generationen. Im Jahr 1878 begann der Bau der Begräbniskapelle für die Familie, die noch heute im Zentrum der Parkanlage steht.

Die kleine Kapelle in neogotischem Stil ist kaum 50 Quadratmeter groß und wurde von Heinrich Victor Lantz (1820-1901) in Auftrag gegeben. Anlass für die Errichtung war der Tod seiner Ehefrau Mathilde im Alter von 44 Jahren. Die Memorialkapelle, die Heinrich Lantz bauen ließ und unter der sich auch die Familiengruft befindet, diente nicht nur der Erinnerung, sondern auch als Demonstration seiner Frömmigkeit. Über dem Giebelportal steht die lateinische Inschrift „Transi Non Sine Votis Mox Noster“ (Geh nicht vorüber ohne fromme Gebete, Du, bald der Unsrige), die auch seitlich des Eingangs auf der Aachener Straße zum Melaten-Friedhof in Köln zu finden ist. Der Vorübergehende sollte für die Verstorbenen beten und gleichsam an seine eigene Sterblichkeit erinnert werden. Das Bauwerk macht einen etwas verwahrlosten Eindruck, der kleine Kapellengarten ist von Unkraut und Gestrüpp überwuchert. Das Dach war lange Zeit undicht, über die Jahre ist Feuchtigkeit eingedrungen. In neuerer Zeit macht sich ein lokaler Förderverein zur Aufgabe, die Memorialkapelle herzurichten und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach Renovierungsarbeiten am Kapellendach wurden in der Folge die Mosaikarbeiten in der Kirche resaturiert. Bislang ist das Innere der Kapelle nur nach vorheriger Anmeldung zu besichtigen.

Der gesamte Park entstand in drei zeitlichen Abschnitten. Der mittlere Teil ging aus einer alten forstlichen Parzelle hervor, die schon in einer Karte von 1702 eingetragen ist. Die Parkanlage im vorderen Bereich rund um das Herrenhaus entstand nach einem Plan von Joseph Clemens Weyhe von 1858 im Stil des englischen Landschaftsgartens. Der hintere Teil rund um die Kapelle wurde von Julius Bouché 1880 im Stil des Historismus geplant. 1944 wurde am Park-Eingang Heiligenweg/Stockumer Tor ein Befehls- und Nachrichtbunker für den Gauleiter von Düsseldorf und Reichsverteidigungskommissar Friedrich Karl Florian gebaut. 1945 wurde der heute denkmalgeschützte Park, insbesondere der Bouché-Teil, durch Artilleriebeschuss stark in Mitleidenschaft gezogen.

Nach dem Tod des letzten Familienmitglieds Ludwig Lantz (1885-1969) kaufte 1972 die Stadt Düsseldorf Anwesen und Park zusammen mit einigen umgebenden Parzellen. Auf den ehemaligen Gutsflächen, die an den Park angrenzen, entstanden Sportanlagen und eine Kleingartenanlage. 1974 bis 1978 erfolgte eine Teilsanierung des Parks auf der Grundlage eines Parkpflegewerks von Franz Joseph Greub (1930-1980). Seit 1978 ist der Park öffentlich zugänglich. Der Galerist Alfred Schmela (1918-1980) bezog 1979 das Herrenhaus und errichtete einen Skulpturenpark. Er führte dort Ausstellungen mit Werken von Andy Warhol, Joseph Beuys, Günther Uecker und Anatol durch. Aus dieser Zeit stehen auch heute noch einige Kunstwerke auf dem Areal verstreut. Nach dem Tode Schmelas stand das Herrenhaus weitgehend leer und stellt sich heute in einem äußerst schlechten Zustand dar. Der letzte Bewohner der Villa war der unter dem Pseudonym Meuser arbeitende deutsche Bildhauer und Objektkünstler, der von 1968 bis 1976 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys und Erwin Heerich studiert hatte. Aufgrund der hohen Lärmbelastung durch die angrenzende Autobahn und vor allem durch den Fluglärm bereitet eine anderweitige Nutzung bislang erhebliche Probleme. Mittlerweile ist der Investitionsaufwand für Renovierung und Erhaltung erheblich gestiegen. Die Inschrift Pax intrantibus (Friede den Eintretenden) an der Hauptfassade bröckelt genauso wie der Putz und die Farben an allen anderen Seiten des Hauses. Die Außentreppen, Mauern und Fassaden sind teilweise erheblich beschädigt.

Seit Jahren sucht die Stadt einen neuen Pächter, der wieder Leben in das Gebäude bringen soll. Ein denkmalgerechtes Nutzungskonzept ist jedoch mit größeren Einschränkungen verbunden. Bisher ist dort nur Wohnen genehmigt, eine Gastronomie mit Küche wird von der Verwaltung ausgeschlossen. Außerdem soll der Investor auch teilweise eine öffentliche Nutzung ermöglichen, beispielsweise für Empfänge, Firmenevents  oder Ausstellungen. Der Heimat- und Bürgerverein Lohausen/Stockum setzt sich dagegen dafür ein, aus dem Gebäude ein Kulturhaus für den Düsseldorfer Norden zu machen. Bis eine Lösung gefunden wird, muss der Lantz’sche Park wohl vorerst weiter im Dornröschenschlaf verharren und auf seine neuerliche Erweckung warten.

Bilder: 02/2016

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